Berufung finden trotz Familie und Job – wenn der Tag schon voll ist

Woman reflecting on career goals while using tablet at home

„Wie soll ich das auch noch in meinen Tag unterbringen?“ Diesen Satz denkst du wahrscheinlich öfter. Nicht, weil du deine Berufung nicht finden willst – im Gegenteil. Sondern weil dein Tag jetzt schon randvoll ist: Kita-Abholzeiten, Haushalt, Job. Wo, bitte, soll da noch Platz sein für etwas so Großes wie eine Berufung? 

Genau deshalb fühlt es sich so schwer an, eine Berufung zu finden – trotz Familie und Job, die schon deinen ganzen Tag füllen. Oft steckt hinter dem Satz noch eine zweite Frage: Ist es das überhaupt wert, wenn ich sowieso schon am Limit bin? Und genau diese Frage verdient eine ehrliche Antwort – nicht die schnelle Selbstberuhigung „irgendwann, wenn die Kinder größer sind, dann pack ich das an…“, sondern ein echter Blick darauf, was da eigentlich wirklich fehlt. 

Warum „trotz“ der falsche Gedanke ist 

Manchmal höre ich von Klientinnen genau diesen Satz: „Wie soll ich trotz Familie und Job überhaupt Zeit dafür finden?“ Für mich klingt das dann so, als wären Familie und Job Hindernisse, die erst aus dem Weg müssen, bevor überhaupt Platz für eine Berufung ist. Ich erlebe es aber andersherum: Familie und Job sind oft genau der Ort, an dem sich deine Berufung zum ersten Mal zeigt. 

Denk zum Beispiel mal an das, was du als Mutter über dich selbst gelernt hast. Wie viel Geduld in dir steckt, wenn es drauf ankommt. Wie klar du entscheiden kannst, wenn keine Zeit zum langen Nachdenken bleibt. Wie stark dein Gespür dafür geworden ist, was einem anderen Menschen gerade fehlt. Das sind keine Kleinigkeiten. Das sind oft genau die Fähigkeiten, aus denen sich eine echte Berufung entwickeln kann – weil sie zeigen, was dir wirklich liegt und was dich antreibt. 

Meine eigene Berufung fand ich nicht neben meinem Leben 

Als ich mein Coaching-Business nebenberuflich aufgebaut habe, war mein Alltag bis auf die letzte Minute verplant. Zwei Kinder, Haushalt, ein 25-Stunden-Job und nebenbei noch ein neues Business – und irgendwann kam die Quittung dafür: Ich wäre fast in ein Burnout gerannt, wurde aber glücklicherweise kurz vorher von meinem Körper zu einer fünfwöchigen Pause gezwungen. Ich hatte versucht, meine Berufung neben allem anderen unterzubringen, wie einen weiteren Termin im Kalender. Das ging nicht gut.

Erst in dieser erzwungenen Pause habe ich verstanden: Meine Berufung als Life Coach durfte nicht gegen meinen Alltag als Mutter ankämpfen, sondern musste sich in ihm entfalten – im Rhythmus meiner Energie, meines Zyklus, dem, was ich wirklich schaffen kann. Seitdem arbeite ich bewusst so, dass mein Business und meine Rolle als Mutter sich nicht gegenseitig auffressen, sondern sich gegenseitig tragen. Das war keine radikale Kehrtwende an einem einzigen Tag. Es war ein langsames Umdenken – weg von „ich muss das alles zusätzlich schaffen“, hin zu „das gehört zu demselben Leben“. 

Berufung braucht keinen extra Platz in deinem Tag 

Wenn du auf deinen vollen Tag schaust und denkst, für deine Berufung sei einfach kein Platz, dann liegt der Denkfehler oft genau in dieser Erwartung: dass Berufung ein zusätzlicher Termin sein muss, ein neues Projekt, das obendrauf kommt. 

Du musst deinen Tag nicht sprengen, um deine Berufung zu finden. Du darfst genauer hinschauen, was in deinem Alltag – zwischen Familie und Job – bereits da ist und darauf wartet, von dir ernst genommen zu werden.


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