Mein Jahresrückblick 2025

Ich schreibe diesen Jahresrückblick 2025 in der magischen Zeit der Rauhnächte. Wie schon im letzten Jahr habe ich mich auch diesmal von meiner Freundin Jessica Scharioth durch diese besondere Zeit begleiten lassen.

Ich liebe diese dunklen, stillen Tage zwischen Weihnachten und den Heiligen Drei Königen.
Die Zeit, um das vergangene Jahr zu reflektieren, loszulassen, was gehen darf, und das neue Jahr achtsam willkommen zu heißen.

2025 war ein sehr herausforderndes Jahr für mich. Und doch hat es am Ende einen echten Schatz für mich bereitgehalten – in Form von einer längst fälligen Erkenntnis.

Zwischen Angestelltenjob, Selbstständigkeit und zwei kleinen Kindern

Sich nebenberuflich als Life Coach selbstständig machen, mit zwei kleinen Kindern?
Ich habe nie geglaubt, dass das einfach wird. Aber dass es mich so fordern würde, hätte ich trotzdem nicht erwartet.

Von Januar bis Mitte August sah mein Leben ungefähr so aus: Montag bis Freitag quälte ich mich morgens aus dem Bett, arbeitete bis ca. 14:30 Uhr in meinem Angestelltenjob. Danach holte ich die Kinder ab, zuhause spielen, Abendessen kochen – und irgendwo dazwischen meine Selbstständigkeit.

Ich öffnete den Laptop nicht jeden Tag, sobald wir zuhause waren.
Aber mein Kopf war trotzdem immer an.

Während ich mit meinen Kindern spielte, formte ich im Kopf Instagram-Posts.
Beim Kochen dachte ich an Texte für meine Website.
Selbst abends auf der Couch war da immer der Gedanke: Du müsstest eigentlich noch…

Ab Mai begleitete ich drei Test-Kundinnen über mehrere Monate. Ich wollte noch mehr Erfahrung sammeln. Ehrliches Feedback erhalten. Mich weiterentwickeln. Zeit für mich selbst gab es in dieser Phase kaum. Und immer wieder redete ich mir ein: Wenn das Business erst läuft, wird es bestimmt leichter. Aller Anfang ist eben schwer.

An diesem Tag wurde mir klar: So geht es nicht weiter

Im August spitzten sich in meinem Angestelltenjob einige Themen immer mehr zu, die mich schon länger belasteten. Und plötzlich war es einfach zu viel.

An einem verregneten Tag saß ich im Büro. Eine Kollegin sprach mich auf eine Kleinigkeit an. Plötzlich begann mein Herz zu rasen, mir wurde schwindelig und ich bekam kaum Luft. Verdammt, dachte ich. Das ist eine Panikattacke. Es war kurz vor Feierabend, also verließ ich fluchtartig das Büro.

Zuhause wurde es nicht besser. Ich saß da, versuchte ruhig zu atmen, die Enge in meiner Brust loszuwerden. Und dann war sie da. Diese klare, unmissverständliche Botschaft: Du musst jetzt die Bremse ziehen. Sofort.

Stillstand, den ich nicht geplant hatte

In den Tagen nach der Panikattacke war ich wie innerlich ausgesaugt. Ich lag auf der Couch, die Decke bis zum Kinn gezogen, und schon der Gang in die Küche fühlte sich zu viel an. Ich ging nicht zur Arbeit. Mein Körper ließ es einfach nicht zu.

Die Entscheidung, Elternzeit zu nehmen, fühlte sich nicht mutig an. Sie fühlte sich alternativlos an. Aber natürlich kamen sie sofort, diese Gedanken: Können wir uns das leisten? Was werden meine Kolleg:innen denken? Wer fängt meine Arbeit jetzt auf?

Ich ließ mir den ganzen Sommer Zeit. Zeit zum Schlafen. Zeit für meine Familie, für Freunde. Wir fuhren ans Meer. Und erst als mein Körper wirklich zur Ruhe kam, wurde mir klar, wie lange ich mich selbst übergangen hatte und wie laut er hatte werden müssen, damit ich endlich hinhöre.

Zurück in die Selbstständigkeit – aber diesmal ganz anders

Als ich im September wieder anfing zu arbeiten, fühlte es sich zuerst großartig an, nur noch einen Job zu haben. Kein Hetzen mehr ins Büro, kein Blick auf die Uhr. Morgens ließ ich mir Zeit mit den Kindern, manchmal gingen wir sogar noch eine kleine Runde spazieren, bevor ich den Laptop aufklappte. Es ging mir richtig gut.

Ein paar Wochen später passierte es. Es war 15:10 Uhr. Eigentlich Abholzeit im Kindergarten.
Ich saß immer noch am Laptop. Die Schultern hochgezogen, der Kopf dröhnend.„Ich muss doch nur noch schnell das hier fertig machen… Nie hab ich genug Zeit für meine Arbeit“

Auf dem Weg zum Kindergarten spürte ich diesen Knoten im Bauch und fragte mich:
Warum bin ich plötzlich wieder so unter Strom? Ich hatte doch alles, wovon ich so lange geträumt hatte: Zeit. Freiheit. Mein eigenes Business. Und trotzdem fühlte es sich an wie damals, kurz vor dem Zusammenbruch im Angestelltenjob.

Und dann war sie da, diese klare Erkenntnis: „Wenn du jetzt nicht langsamer wirst, landest du auch in deinem Traumjob im Burnout.“ Das war mein Aha-Moment. Der Moment, in dem ich verstanden habe: Wahre Freiheit liegt nicht darin, selbstständig zu sein –
sondern mich selbst und meine Bedürfnisse wirklich ernst zu nehmen.

Raus aus alten Mustern

Nach dieser Erkenntnis habe ich zwei Tage lang neuausgerichtet. Kein Laptop. Keine To-do-Listen. Kein „nur noch schnell“. Und hörte zum ersten Mal seit Wochen wieder wirklich in mich hinein. Und da wurde mir etwas glasklar: Ich hatte mein altes Muster einfach in ein neues Leben mitgenommen.

Immer noch dieser innere Druck. Dieses „Ich muss nur noch schnell…“ Dieses Gefühl, nie ganz fertig zu sein. Nie genug zu tun. Nie anzukommen.

Also habe ich begonnen, meine Selbstständigkeit nicht mehr gegen mich, sondern mit mir aufzubauen.

Ich habe mir feste Start- und Endzeiten gesetzt.
Ich habe in Fokusblöcken gearbeitet – Handy im Flugmodus, Türklingel aus, nur eine Aufgabe.
Und ich habe Pausen nicht mehr als Belohnung gesehen, sondern als Teil meiner Arbeit. Diese Pausen habe ich Dingen verbracht, die mich wirklich nähren.
Und ich habe kleine Rituale eingeführt, die meinem Körper sagen:
Jetzt ist Schluss für heute. Du darfst loslassen.

Zum ersten Mal fühlte sich Arbeit ruhig an. Nicht gehetzt. Nicht getrieben. Wenn ich nachmittags den Laptop zuklappte, war da kein schlechtes Gewissen mehr –
sondern dieses zufriedene Gefühl von: Es ist genug für heute. Und ich darf jetzt einfach Mama sein.

Was ich mir 2025 vor allem gezeigt hat…

Ich war jahrelang im Hustle-Modus gefangen. Mein Nervensystem war immer auf Habachtstellung. Auch dann, als ich in meinem Traumjob arbeitete.

Dieses Jahr hat mich auf die deutlichste Art gelehrt, dass ich so nicht weitermachen kann. Und dass mein Körper der ehrlichste Kompass ist, den ich habe. Er hat mir gezeigt, wann es zu viel ist. Wann ich langsamer werden darf. Wann Pausen kein Luxus, sondern Überlebensstrategie sind. Und ich habe gelernt, auf ihn zu hören, bevor es zu viel ist.

Ich habe verstanden: Mein Business kann nur dann wachsen, wenn ich gut für mich sorge. Wenn meine Gesundheit, meine Energie, mein innerer Zustand an erster Stelle stehen. Denn ich bin die wichtigste Ressource in meinem eigenen Unternehmen – und auch in meiner Familie. Denn meinen Kids geht es nur dann richtig gut, wenn es mir als Mama auch gut geht.

Und ich habe gespürt, wie sich alles verändert, wenn ich mir erlaube, mich und meine Bedürfnisse zu priorisieren: Das Leben fühlt sich wieder heller an. Ich habe mehr Geduld. Mehr Freude. Als Frau. Als Mama. Und als Coach.

Und dann, zwei Wochen vor Weihnachten, kam dieses Geschenk: Meine erste Klientin buchte bei mir.

Ich stand mit meinem Handy in der Hand im Treppenhaus als ich ihre Buchung sah, mein Herz raste – und ich hüpfte vor Freude auf und ab. Weil ich in diesem Moment wusste: Der Anfang ist gemacht.


Und ab jetzt ist alles möglich.


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